Anlässlich meiner letzten Stadtratssitzung vom 28.04.2026 durfte ich auf unser politisches Wirken in Forchheim in den Jahren 2016 bis 2026 zurückblicken.
(Es gilt das gesprochene Wort.)
Die Forchheimer*innen hatten mich in der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters am 20. März 2016 auf eine inzwischen über 10-jährige Reise geschickt. Diesen Vergleich will ich ganz bewusst wählen. Nicht zuletzt, weil seinerzeit tags darauf die bayerischen Osterferien begannen. Wir alle kennen das Gefühl und die Vorfreude, wenn wir auf Reisen gehen. Die Vorfreude ist groß auf das teils unbekannte Terrain, auf die neuen Eindrücke und auf die Erlebnisse, die vor uns liegen werden. Vor allem aber freuen wir uns auf die Begegnungen mit den Menschen.
Gepaart mit der Vorfreude beginnen auch die Vorbereitungen auf die Reise. Also gilt es, den Koffer zu packen: Mich treibt dabei immer die Frage um, ob ich alles eingepackt habe, was ich für die Reise brauchen werde?
Und natürlich – es war nicht alles im Koffer. Zum Glück gab es ja fast überall Möglichkeiten, die noch fehlenden Dinge zu ergänzen. Aber nicht nur das Reisegepäck bedurfte zwischendrin Ergänzungen, auch die Reiseroute galt es immer mal wieder anzupassen. Obwohl die Planungen und Vorbereitungen sehr gut waren, mussten wir immer mal wieder an Weggabelungen Entscheidungen treffen, die unsere Reise in eine neue, unbekannte Richtung lenkten.
Immer wieder mussten wir auch feststellen, dass in unseren Plänen einige Wege noch nicht einmal verzeichnet waren.
Entscheidungen sind aber immer an Ort und Stelle zu treffen. An genau diesem Ort und zu genau dieser Zeit und mit dem Wissen und den Kenntnissen, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten. Wenn wir heute darauf zurückblicken, wäre vielleicht die eine oder andere Entscheidung anders getroffen worden. Auch merkten wir im weiteren Verlauf der Reise dann, dass das eine Hotelbett zu unbequem war oder das Frühstück in einem anderen Hotel nicht unseren Geschmack traf.
Das kann passieren. All das schmälert aber keineswegs den Wert der Reise insgesamt.
Diese Reise hat mich in den letzten Jahren zu fast unzähligen Terminen geführt, in denen ich die Stadt Forchheim vertreten durfte. Nach innen wie nach außen. Diejenigen, die mich kennen, kennen auch mein Faible für Zahlen.
Und natürlich habe ich die Termine gezählt.
Diese, meine letzte, Stadtratssitzung ist übrigens der 12.451. Termin als Oberbürgermeister.
Darunter gab es schöne, schwierige, leichte, unangenehme, traurige und heitere Termine.
Aber welche bleiben davon in Erinnerung?
Ganz sicher bleiben mir diejenigen in Erinnerung, die nicht einfach nur ein Termin waren – sondern Begegnungen voller Herzlichkeit und menschlicher Nähe. Die Stadt Forchheim hatte bereits seit geraumer Zeit wundervolle Verbindungen innerhalb Europas geknüpft. So führte mich mein Amt auch in Länder, die ich zuvor noch nie bereist hatte.
Die Verbindungen mit unseren Partnerstädten hatten mich zu unseren Freund*innen in Europa geführt. In den letzten zehn Jahren wurden diese Verbindung in besonderer Weise gelebt und gestärkt, manchmal auch neu belebt. Wir reisten mal in kleinen, mal in größeren Delegationen. Stets durfte ich dabei nicht nur die Stadt vertreten, sondern neue Freundschaften knüpfen. Diese Verbindungen haben mich nachhaltig und dauerhaft beeindruckt. Deshalb habe ich auch abseits des Amtes gerne meine privaten Urlaube mit Besuchen in einer unserer Partnerstädte verbunden.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schönfelder, lieber Udo,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Dr. Prechtel, liebe Annette,
an dieser Stelle möchte ich mich ganz besonders für unsere exzellente Zusammenarbeit in den letzten sechs Jahren bedanken. Wir hatten 2020 gemeinsam einen gänzlich neuen Weg eingeschlagen. Selbst unsere Rechtsaufsicht war damals von unserer Umsetzungsidee zunächst irritiert und so zog sich eine juristische Prüfung nach. Ich selbst hatte in meinem Netzwerk der großen Kreisstädte nachgefragt und auch dort kein vergleichbares Vorgehen ausfindig machen können.
Unsere Dreiteilung für Aufgaben, Ressortverantwortung und Sitzungsleitungen war wegweisend. Mal wieder beschritt die Stadt Forchheim ihren eigenen Weg – auch hier gibt es eine "Forchheimer Lösung".
Forchheim ist einer von 100 bayerischen Genussorten. Folgerichtig darf ich euch ein paar kulinarische Highlights aus Rumänien überreichen:
"Zacuscă" ist ein Gemüseaufstrich aus Auberginen, Tomaten und Paprika. Herrlich auf frisch gebackenem Brot. Dazu ein "Ursus"-Bier, das in Cluj-Napoca gebraut wird. Ich bin mir sicher: alle, die in den letzten Jahren den Weg nach Gherla gefunden haben, haben bereits ein „Ursus“ getrunken. Zum Abschluss was Süßes? Dann gibt es ein "Făgăraș"-Schokoriegel.
Die internationalen Freundschaften waren und sind mir eine Herzensangelegenheit, die ich nach Kräften aus diesem Amt unterstützen wollte. Gerade heute darauf zu blicken, erscheint mir nicht nur logisch, sondern dringend geboten.
Der 9. Mai ist Europatag. Unser gemeinsamer Austausch und die Begegnung der Menschen untereinander ist der Garant für den Frieden in der Welt. Nur durch die gemeinsamen Erfahrungen und Begegnungen entstehen Respekt voreinander und Vertrauen ineinander. Ich wünsche mir, dass alle, die in der Welt Verantwortung tragen, das so sehen würden.
Leider müssen wir immer wieder etwas Anderes beobachten. Wer z. B. unmittelbar nach dem Attentatsversuch beim Korrespondentendinner des Weißen Hauses ohne jegliche Selbstreflektion die Verantwortung dafür bei vermeintlichen Hassreden der Demokraten sucht, trägt eben genau nicht zur Einheit der Gesellschaft bei. Im Gegenteil: der beschädigt nicht nur die Demokratie im eigenen Land, sondern befeuert die Spaltung der Gesellschaft.
Weltweit.
In den USA sehen wir, wie jemand gänzlich ungeniert und unverhohlen, die Axt an die Wurzeln der Demokratie legt. Und in Forchheim?
So ist es in Forchheim nicht. Aber auch hier müssen wir gemeinsam achtgeben, dass wir derlei Tendenzen rechtzeitig Einhalt gebieten. Der Ton, den wir gegenseitig anschlagen, wie wir miteinander umgehen, wie wir miteinander diskutieren und welche Haltung wir dabei einnehmen, ist prägend für unser Wirken. Nicht nur für uns untereinander, sondern auch, wie der Forchheimer Stadtrat als Gremium wahrgenommen wird. Wenn wir es untereinander an Respekt vermissen lassen, dann ist die logische Folge, dass uns die Menschen auch nicht mit Respekt begegnen. Der Respekt vor Politikern, auch in der Kommune, sinkt rapide.
Da reicht es schon, wenn wir die Kommentarspalten in den sozialen Medien verfolgen. Schnell entgleitet da mal eine Debatte. Schnell geht dann aber auch der menschliche Anstand flöten.
Nur selten sind dort die Klarnamen zu lesen. Gerne wird sich hinter einem Pseudonym versteckt. Was aber wenn nicht nur der gute Geschmack verlassen wird, sondern es strafrechtlich relevant wird?
Aus dem jüngsten Wahlkampf zur Stadtratswahl ist mir ein Fall zur Kenntnis gelangt. Strafrechtliche Ermittlungen wurden gegen das Pseudonym "Lilly Yeah" aufgenommen. Es besteht aktuell der Verdacht, dass sich hinter diesem Pseudonym ein aktuelles und zugleich künftiges Stadtratsmitglied verstecken soll.
Wenn sich das bewahrheitet, will ich hoffen, dass die Person ihr Mandat mit sofortiger Wirkung niederlegt. Denn so wollen und sollten wir nicht miteinander umgehen.
Ich wünsche mir vom künftigen Stadtrat, ich wünsche mir für die neue Oberbürgermeisterin, ich wünsche mir für Forchheim, dass dieses Haus in der Sache hart diskutieren möge – aber bitte stets getragen von Respekt vor dem Gegenüber und immer zum Wohle der Stadt. Nur so können wir unsere Stadt weiterentwickeln.
Und weiterentwickeln wollen wir unsere Stadt doch, oder? Ich denke, darüber besteht Konsens in diesem Gremium.
In den letzten Tagen habe ich deshalb noch dieses Buch gelesen.
Es wurde geschrieben von Professor Uwe Schneidewind, ehemaliger Oberbürgermeister von Wuppertal. Mit ihm verbindet mich nicht nur der gemeinsame Vorname und das gemeinsame kommunalpolitische Amt. Professor Schneidewind kenne ich noch aus meiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Oldenburg. Wir waren in derselben Fakultät. In dem Jahr, in dem ich an die Universität Erlangen wechselte, wurde er in Oldenburg Universitätspräsident.
Wer sich wissenschaftlich mit nachhaltigen Transformationsprozessen beschäftigt, hat zweifelsfrei erst einmal eine gute Basis für die kommunalpolitische Arbeit. Allerdings sind politische Transformationsprozesse wesentlich vielschichtiger – manchmal werden diese auch von anderen Themen überlagert oder beeinflusst.
Erlauben Sie mir, dass ich einen kleinen Abschnitt zitiere, der sich in Wuppertal zugetragen haben soll. Es könnte sich aber auch genauso in Forchheim oder jeder anderen deutschen Stadt abgespielt haben.
Zur inhaltlichen Einordnung: es geht um den Themenkomplex zur Entwicklung eines Mobilitätskonzeptes:
"Selbst bei symbolisch aufgeladenen Konfliktthemen wie der innerstädtischen Mobilität stellt heute niemand mehr Radwege und den ÖPNV komplett in Frage, sondern es geht hier weit mehr um die Geschwindigkeit und das Augenmaß. Die Menschen möchten, dass die grundlegenden Strukturen in ihren Städten funktionieren. Es beschädigt die Demokratie, wenn eine symbolisch aufgeladene Konfliktinszenierung die inhaltliche Auseinandersetzung kaum noch möglich macht."
(Quelle: Schneidewind, Uwe: Dienstschluss - Herausforderung Kommunalpolitik, Wagenbach-Verlag, S. 141)
Nochmal die Bitte an den künftigen Stadtrat: wählt eure Worte mit Bedacht. Darin zeigt sich eure Haltung im Kleinen wie im Großen.
Aktuell (Stand 01.01.2026) gibt es in Deutschland 10.747 Gemeinden. Davon sind 2.057 Städte. Von diesen gewählten Stadtspitzen dürfen in Deutschland nur 334 Personen den Titel Oberbürgermeister bzw. Oberbürgermeisterin tragen.
Allein an diesen schlichten Zahlen sieht man, dass die Aufgabe als Oberbürgermeister eine echte Besonderheit ist und nur den wenigsten Menschen zuteilwird. Für mich persönlich gilt heute wie vor zehn Jahren, als Sie mich auf diese Reise schickten, es ist … es war mir eine ganz besondere Ehre für die Stadt Forchheim gedient haben zu dürfen.
Das habe ich sehr gerne getan.
Mit Respekt und Demut vor dieser großen Aufgabe habe ich diese angenommen und versucht, mit Leben zu füllen. Mit dem Wissen, dass Veränderungen aber oft auch einer langen Zeit bedürfen, war mir die nachhaltige Lösung stets wichtiger als die schnelle, dafür aber die zweitbeste Lösung.
Für Applaus habe ich nie gearbeitet.
Ich bedanke mich für zehn wundervolle Jahre.
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2026-04-28 | Schlussansprache 2026 (655 KB) (PDF, 655 kB)